Parsec Einführung

Für 700 Jahre sorgte die Kolonialisierung der Sterne für Frieden und Wohlstand der Erde. Nachdem die Menschheit erst einmal einen Weg fand, die Kluften im interstellaren Raum zu überbrücken, gab es kein Halten mehr. Die neuen Möglichkeiten (und die resultierenden Machtgewinne) entzogen den meisten geopolitischen Spannungen den Nährboden. Die Menschheit brach in mehreren, gigantischen Siedlungswellen unter der Führung einer neu gegründeten, globalen Regierung in neue Welten auf. Eine allumfassende Republik, die den verschiedenartigen Kulturen weitreichende Autonomie verhieß, sollte allen Völkern möglichst gerecht werden. Anfangs schienen die Probleme und Unterschiede unüberbrückbar, mit der Zeit jedoch gewöhnte man sich an die Vielseitigkeit. Es war natürlich nicht perfekt, im Großen und Ganzen jedoch funktionierte es. Auf Terra, wie sich die Erde stolz nannte, herrschte Frieden, Wohlstand und Ordnung - das galt jedoch im zunehmenden Maße nicht für die Kolonien.

Kurzsichtige und eigennützige Kolonialpolitik sorgten für Unmut. Der Wohlstand und technischer Fortschritt ließ die Terraner langsam überheblich, träge und blind für die einfachen Belange der Kolonisten werden. Noch immer pflegte man die Tradition, Probleme im eigenen Haus auf die Nachbarn, die Kolonien abzuwälzen. Im Gegenzug sank die Bereitschaft, die gewonnenen Segen mit den weit entfernten Vettern zu teilen. Es war unausweichlich, daß sich früher oder später eine erste Kolonie erheben würde und NEIN! sagte zu den stetig steigenden Forderungen der Heimat.

Die Vega brachte die Flut ins Rollen. Der große Bürgerkrieg der UR gegen das Veganische Commonwealth dauerte lang - zu lang. Es gab einigen Leuten mit mehr Ambitionen als Sachverstand und Weitsicht, die Gelegenheit, einige schreckliche Fehler zu begehen. Beide Seiten machten sich schuldig, die schlimmsten, von Menschen erschaffenen Plagen auf die Lokale Blase losgelassen zu haben. Bis in die heutige Zeit überlebte vor allem die Furcht vor den autonomen, selbst-replizierenden K.I.s, die in diesem Konflikt aufeinander gehetzt wurden.

Am Ende lag die UR sowohl ethisch, als auch politisch und faktisch in Trümmern. Alle großen Zentren der Erde und der wichtigsten Kolonien waren verwüstet und die Vega kürte sich zum Sieger. Für die nächsten acht Jahrhunderte übernahm das Veganische Commonwealth des Heft in der Lokalen Blase. Die schonungslos humanizentrische Haltung der Vega ließ jedoch jenes diplomatische Geschick und Fingerspitzengefühl der Republik missen, die in der Zeit zuvor die Menschen in Frieden mit allen Spezies hatte leben lassen, denen sie begegnet war. Unter veganischer Führung galten alle nicht-menschlichen Spezies, wie Pantera, CyBorgs und Honkas, als niederwertig und legitimes Ziel der Ausbeutung. Das zeigte jedoch weniger Erfolg, denn die Pantera zeichneten sich durch wenig aus, was sich ausbeuten ließ und die CyBorgs ließen es nicht zu. Ein anderes Volk, die Retikulaner, wurde von der Vega gemieden. Die Vorstellung eines Volkes, deren Technologie den Menschen noch immer um Lichtjahre voraus war und das keinerlei kommerzielle Ambitionen erkennen ließ, war der Kapital-Aristokratie des Commonwealth zutiefst suspekt.

Diese Anti-Alien-Haltung war es auch, welche den Nachfolgern der alten Republik viele Sympathien einbrachte. Das und die frappante Unfähigkeit der feudalen Kapitalgesellschaft, effektive Kolonisierungs- und Versorgungsstrategien zu entwickeln. Als das Commonwealth vor 600 Jahren zuließ, daß eine ambitionierte Restorationsbewegung die Erde wieder bewohnbar machte, erschuf sie selbst ihren stärksten Konkurrenten späterer Zeit: die Föderation Vereinter Systeme (USF). Diese halb demokratische, halb kommerzielle Republik unabhängiger Bündnisstaaten knüpfte an die glanzvolleren Seiten der Republik an und nimmt für sich in Anspruch, eine Alternative zu sein, in der jedes Individuum nach seinen Fähigkeiten beurteilt wird, statt nach seiner Herkunft oder seiner Kapitalanteile.

Beide Fraktionen konkurieren miteinander, bislang ohne ernsthafte, bewaffnete Konflikte (je nach dem, was man als 'ernsthaft' betrachtet). Die meist weiter außerhalb in der Lokalen Blase verorteten anderen Fraktionen achten sehr darauf, in den schwelenden Konflikt nicht zu sehr einbezogen zu werden, denn man erwartet mit angehaltenen Atem, daß die alten Feindschaften und neuen Rivalitäten sich in einem heißen Krieg entladen. Es scheint beinahe unausweichlich, daß sich beide Seiten irgendwann nicht mehr mit Drohgebärden und diplomatischen Winkelzügen begnügen werden.

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